Forschung / Research

Aktuelle Projekte

 

Titel: Wir wird man ein guter Bürger: Der pädagogische Einfluss der tschechischen Jugendliteratur in der Nationalen Wiedergeburt

Projektleiter: Karsten Rinas 

Projektlaufzeit: 2026–2028

Fördergeber: Czech Science Foundation

Abstrakt: Der Gegenstand dieses Projekts ist die tschechische Kinder- und Jugendliteratur der Zeit zwischen 1760 und 1850. Es soll analysiert werden, wie diese Literatur dazu beitrug, bürgerliche Vorstellungen und Wertmaßstäbe zu vermitteln; es geht somit um die Rolle dieser Literatur bei der Formierung der tschechischen Gesellschaft und Kultur. Die Textquellen sollen sowohl aus narratologischer als auch aus linguistischer Sicht untersucht werden, etwa in Bezug auf Erzählperspektive, Subjektivität, Alterität, Performativität und die Vermittlung von Kommunikationsprinzipien. Oft basierte die tschechische Jugendliteratur dieser Zeit auf deutschen Vorlagen. In diesen Fällen sollen auch die Beziehungen zum Original untersucht werden. Zugleich sollen hierbei die Befunde der germanistischen und der bohemistischen Jugendliteraturforschung zusammengeführt werden. Neben belletristischer Jugendliteratur werden auch für Kinder bestimmte Anleitungen zur Kommunikation (Schreiblehren, Etikette-Lehrbücher) untersucht. Des Weiteren sollen zeitgenössische Illustrationen als wichtiger Bestandteil dieser Literatur gewürdigt werden.


Titel: Große kleine Übersetzungsliteratur: tschechische und deutsche Übersetzungen von Jiddisch-Texten als Spiegel des politischen und gesellschaftlichen Wandels (GAČR 25-17644S)

Projektleiter: Marie Krappmann 

Projektlaufzeit: 2025–2027

Fördergeber: Czech Science Foundation

Abstrakt: Auf der Grundlage einer Analyse tschechischer und deutscher Übersetzungen jiddischer Literatur, insbesondere aus dem Zeitraum zwischen 1945 und 1989, richtet das Projekt seinen Fokus auf die Frage, wie sich die gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in der ehemaligen Tschechoslowakei und der ehemaligen DDR in der Wahrnehmung der jiddischen Kultur sowie in den Übersetzungen jiddischer Literatur widerspiegelten. Neben den Übersetzungen selbst werden zu diesem Zweck verschiedene Typen von Paratexten und Epitexten sowie Artikel zur jiddischen Kultur und Literatur in ausgewählten Periodika analysiert. In der ehemaligen BRD veröffentlichte Übersetzungen werden am Rande ebenfalls berücksichtigt.

Die Erforschung der Übersetzungen jiddischer Literatur in dem genannten Zeitraum ins Tschechische und Deutsche sowie die Analyse der Paratexte und Epitexte eröffnen neue Einblicke in die Entwicklung von Übersetzungsstrategien in Bezug auf die Hierarchie der Kulturen (kleine tschechischsprachige Kultur versus große deutschsprachige Kultur) und auf das politische System, das in bestimmten Aspekten für die beiden untersuchten Zielkulturen vergleichbar war.


Titel: Unbekannte Welten – Andere Gesellschaften – Neue Menschen. Transkulturelle Prozesse in österreichischen Zukunftsromanen der Zwischenkriegszeit (GAČR 20-02986S)

Projektleiter: Jörg Krappmann 

Projektlaufzeit: 2020-2023

Fördergeber: Czech Science Foundation

Abstrakt: Das Projekt befasst sich mit österreichischen Zukunftsromanen, die in den Jahren 1918–1945 entstanden sind. Das Genre des Zukunftsromans stellt in der deutschsprachigen Literatur eine der Varianten der Science-Fiction dar, die (nahezu) ohne den Einsatz technischer Innovationen fiktionale Welten mit dystopischen, utopischen oder fantastischen Elementen entwirft. Neben seinen thematischen Implikationen ist dieses Genre auch deshalb attraktiv, weil es sowohl elitäre Akteure des literarischen Lebens wie etwa Kafka oder Werfel als auch unbekannte bzw. populäre Autoren umfasst.

Die untersuchten Texte werden im Hinblick auf die kulturellen, soziopolitischen und ökologischen Konstellationen der fiktionalen Welten und der darin enthaltenen Figuren analysiert und strukturiert, und zwar auf der Grundlage einer für die Zwecke des Projekts erarbeiteten literatursoziologischen Kategorisierung. Diese Kategorisierung ermöglicht es, fiktionale interkulturelle und transkulturelle Konstellationen sowie Machtverhältnisse freizulegen und deren gesellschaftliche Relevanz in gegenwärtigen und aktuellen Diskursen aufzuzeigen.

Zentraler Fokus des Projekts ist es, anhand eines regional eingegrenzten Textkorpus zu demonstrieren, welches Innovationspotenzial die eng miteinander verbundenen Genres des Zukunftsromans, der Science-Fiction und der Dystopie besitzen.


Titel: Geschichte der tschechischen Interpunktion im europäischen Kontext (GAČR 20-04735S)

Projektleiter: Karsten Rinas 

Projektlaufzeit: 2020–2023

Fördergeber: Czech Science Foundation

Abstrakt: Gegenstand des Projekts ist die Untersuchung der Entwicklung der tschechischen Interpunktionstheorie. Diese Theorie wird dabei als eine spezifische Form der Sprachanalyse verstanden und als solche in den Kontext der Geschichte der Linguistik eingeordnet. Berücksichtigt werden Einflüsse europäischer Sprachkulturen, insbesondere lateinischer und deutscher Provenienz. Darüber hinaus wird diese Entwicklung im Kontext der Kulturgeschichte interpretiert. Ziel des Projekts ist es, einen Beitrag zur Geschichte der Linguistik sowie zur Geschichte der tschechischen Sprache zu erarbeiten; die Ergebnisse sollen jedoch auch Forschenden aus den Bereichen der Philologie und der Geschichte zu einem besseren Verständnis der Gliederung älterer Texte dienen.


Titel: Jindřicha Polana Soudní řád z roku 1550. Příspěvek k poznání magdeburského práva na severní Moravě (GAČR GA20-04393S)

Projektleiter: Libuše Spáčilová 

Projektlaufzeit: 2020–2023

Fördergeber: Czech Science Foundation

Abstrakt: Ziel dieses Projekts ist es, eine Edition der im Jahr 1550 vom Olmützer Gerichtsschreiber Polan auf Deutsch verfassten Gerichtsordnung zu veröffentlichen, unter Berücksichtigung der (heute obsoleten) Edition von 1903, herausgegeben von A. Fischel, sowie der ältesten erhaltenen Ausgabe der alt-tschechischen Übersetzung, und diese beiden mit späteren deutschen Abschriften sowie einer tschechischen Abschrift zu vergleichen. Damit wird Historikern und anderen an der Rechtsgeschichte Interessierten eine äußerst wichtige Wissensquelle zur Entwicklung der Stadtgerichte in Mähren in der zweiten Hälfte des 16. sowie im 17. Jahrhundert zugänglich gemacht. Zugleich wird die Erforschung der Entwicklung des Magdeburger Rechts in dem Gebiet abgeschlossen, in dem das durch das Meißner Rechtsbuch repräsentierte Magdeburger Recht bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts angewandt wurde. Die Rechtsterminologie wird aus linguistischer Sicht in sämtlichen deutschen und tschechischen Handschriften analysiert. Darüber hinaus wird sich das Forschungsteam mit den rechtlichen Quellen befassen, die Polan bei der Abfassung der Gerichtsordnung beeinflusst haben.

 

Einrichtungen

In den Olmützer Institut für Germanistik sind drei Einrichtungen im Bereich der Forschungsinfrastruktur integriert, die grundlegende Forschungsarbeit leisten bzw. ermöglichen und germanistische Themen sowohl bei der wissenschaftlichen Kommunität als auch bei der Öffentlichkeit zu popularisieren helfen. Alle drei Institutionen bieten ebenfalls den Studierenden eine Möglichkeit, sich im Rahmen des Bakk- oder Magisterstudiums an der wissenschaftlichen Arbeit am Institut zu beteiligen.

 

 

Forschungstradition


Unsere Tradition: Die deutsche Sprache und die Germanistik an der Palacký-Universität Olmütz


Der historische Hintergrund

Die Palacký-Universität in Olmütz ist die zweitälteste Universität Tschechiens. Sie wurde 1573 zunächst als Jesuiten-Hochschule gegründet. 1773 wurde der Jesuitenorden aufgehoben und die Universität verstaatlicht. Fachlich dominierend waren die theologische, philosophische, juristische und medizinische Fakultät. Im Zuge der deutschen Besatzung wurde die Universität 1939 geschlossen, jedoch 1946 wiederhergestellt. In der Folgezeit entstanden weitere Fakultäten.
 

Das Deutsche als Gelehrtensprache in Olmütz

In der Frühen Neuzeit dominierte an den europäischen Universitäten das Lateinische als Bildungssprache, doch wurden später auch die Volkssprachen etabliert. In der damals durch das Deutsche geprägten Stadt Olmütz wurde die deutsche Sprache (spätestens) seit dem 18. Jahrhundert als Bildungssprache an der Universität gebraucht. Hochschullehrer, die das Deutsche in ihren wissenschaftlichen Publikationen verwendeten, waren z.B. der Mathematiker Jan Tesánek (1728–1788), der Philosoph Franz Samuel Karpe (1747–1806), der Theologe und Orientalist Johann Jahn (1750–1816) sowie der Historiker Joseph Leonhard Knoll (1775–1841).

Im Jahre 1746 gründete Joseph Freiherr von Petrasch in Olmütz die Gelehrten-Gesellschaft „Societas incognitorum“. Petrasch hatte an der Olmützer Universität Philosophie studiert; für seine Societas konnte er auch Olmützer Hochschullehrer als Teilnehmer gewinnen. Es waren aber auch Gelehrte aus anderen Ländern vertreten, unter anderem der berühmte Schriftsteller und Philologe Johann Christoph Gottsched. Die Gesellschaft gab eine eigene Zeitschrift in deutscher Sprache heraus. Darin wurde auch die Frage diskutiert, wie eine ‚vorbildliche’ deutsche Standardsprache gestaltet werden sollte.
 

Germanistik an der Palacký-Universität Olmütz

Kurz nach der Erneuerung der Palacký-Universität wurde im Jahre 1948 das germanistische Institut gegründet. Zur ersten Generation der dortigen Lehrer gehörten angesehene Sprach- und Literaturwissenschaftler sowie Übersetzer, etwa Pavel Trost, Ladislav Heger und Josef Birgus.

Zur Zeit des Sozialismus unterlag die Germanistik starken ideologischen Beschränkungen. Vorherrschende Arbeitsgebiete blieben der praktische Sprachunterricht sowie ‚unproblematische’ Themen in der Sprach- und Literaturwissenschaft.

Das Ende des Sozialismus ermöglichte nach 1989 eine Öffnung der Germanistik in vielerlei Hinsicht: Es wurden Kontakte zur internationalen Germanistik geknüpft, die internationale Fachliteratur wurde zugänglich (u.a. dank der neu gegründeten Österreich-Bibliothek), und es gab für Forscher und Studenten die Möglichkeit, Stipendien zu erlangen. Auch thematisch ergaben sich neue Arbeitsfelder. So wurde vor allem die Geschichte der deutschsprachigen Literatur Mährens aufgearbeitet (zunächst v.a. von Ludvík Václavek und Lucy Topoľská); 1997 führte dies zur Gründung der „Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur“. Außerdem blieben die Linguistik und die Sprachvermittlung weiterhin Schwerpunkte. Als weiterer Bereich wurde die deutsche Sprachgeschichte etabliert, insbesondere die Erforschung des Frühneuhochdeutschen. Diese Themen gehören auch heute noch zu den Schwerpunkten unseres Instituts.

Research Tradition


Our Tradition: The German Language and German Studies at Palacký University Olomouc


Historical background

Palacký University in Olomouc is the second oldest university in the Czech Republic. It was founded in 1573, initially as a Jesuit university. In 1773 the Jesuit order was abolished and the university became a state-sponsored establishment consisting of the faculties of theology, philosophy law, and medicine. In the course of the German occupation, the university was closed in 1939, but restored in 1946. Other faculties were subsequently established.


German as a scholarly language in Olomouc

In the early modern period, Latin dominated as the language of education at European universities, while vernacular languages were accepted only later. In Olomouc, which was German speaking at the time, German was used as the language of education at the university (at the latest) from the 18th century. University teachers who wrote their scholarly works in German were,  among others, the mathematician Jan Tesánek (1728-1788), the philosopher Franz Samuel Karpe (1747-1806), the theologian and orientalist Johann Jahn (1750-1816) and the historian Joseph Leonhard Knoll (1775-1841).

In 1746, Joseph Freiherr von Petrasch founded the Societas incognitorum – a scholarly society – in Olomouc. Petrasch had studied philosophy at the Olomouc University and was able to recruit Olomouc university teachers for his Societas. Scholars from other countries were also represented, including the famous writer and philologist Johann Christoph Gottsched. The society published its own journal in German. In it, the question of how an 'exemplary' German standard language should be designed was also discussed.


German Studies at Palacký University in Olomouc

Shortly after the restoration of Palacký University, the Institute of German Studies was founded in 1948. The first generation of teachers there included distinguished linguists, literary scholars and translators, such as Pavel Trost, Ladislav Heger and Josef Birgus.

At the time of the Communist rule, German studies were subject to harsh ideological restrictions. The predominant fields of work remained practical language teaching and 'unproblematic' topics in linguistics and literary studies.

After 1989, the fall of the authoritarian regime made it possible to open up German studies in many ways: contacts were established with international German studies institutions, specialized foreign literature became accessible (thanks, among others, to the newly founded Austrian Library), and researchers and students received the opportunity to obtain scholarships. Some new topics emerge, as well. For example, the history of German literature in Moravia was researched (initially mainly by Ludvík Václavek and Lucy Topoľská); in 1997 this led to the founding of the ‘Arbeitsstelle für deutschmährische Literatur’. In addition, linguistics and language teaching remained focal points. German language history was established as a further field of research, especially studies of Early New High German. These topics remain among the focal points of our institute today.

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